Wie viele schon sicher wissen, bin ich seit zwei Wochen wieder in der Heimat. Es wurde ja recht still in meinem Blog in der letzten Zeit. Doch ich war die ganze Zeit irgendwie anders beschäftigt und hatte auch den Blog etwas aus den Augen verloren, dennoch möchte ich es offiziell beenden. Was mit diesem Eintrag auch geschieht:
Ich habe mir natürlich schon im Vorfeld viele Gedanken über die Abreise aus Tansania und die Ankunft zuhause gemacht. Ich rechnete auch fest damit, dass ich einen Kulturschock bekomme. Ich habe mich also schon auf eine recht schwere Zeit zuhause eingestellt. Wir Freiwilligen wurden ja auch mehrfach gewarnt, dass der Kulturschock zuhause erfahrungsgemäß viel stärker ist, als der den man am Anfang seiner Dienstzeit hat.
Als ich damals nach Tansania kam hatte ich, soweit ich mich richtig erinnere, keinen wirklichen Kulturschock. Mir waren natürlich viele Dinge neu, ca. 90% des Alltags, aber das hatte ich ja auch erwartet. Tansania klingt ja schon nach Fremde, Ungewißheit und Abenteuer. Das war es auch, aber es war natürlich nicht immer angenehm. Wenn ihr euch als aufmerksamer Leser noch recht erinnert, habe ich euch einige meiner Erlebnisse bei der Waisensuche beschrieben. Mit solch einer großen Armut konfrontiert zu werden war natürlich nicht einfach. Aber man muss sich auch klar machen, dass einerseits sehr viele Menschen hier so leben und andererseits vor allem, dass man daran als Freiwilliger sowieso nichts ändern kann. Also kein Grund zum verzweifeln. Es lohnt sich wirklich nicht, sich da einen großen Kopf zu machen oder gar ein schlechtes Gewissen zu bekommen, nur weil man es zuhause in Europa, in Deutschland so viel besser hat. Man kann das ganze auch Umgekehrt sehen. Viele Menschen in Tansania mögen ärmer sein, als wir uns das so vorstellen können, aber sie müssen nicht an Hunger leiden. Für eine gewisse Grundversorgung ist in diesem Land gesorgt. Anders sieht es zum Beispiel in Somalia oder im Sudan aus. Auch gibt es in Tansania keine Stammesfehden oder gar Bürgerkrieg. Damit hat Kenia zum Beispiel stark zu kämpfen.
Ich möchte jetzt nicht sagen, dass es immer jemanden gibt, dem es schlechter geht und man es daher eigentlich ganz gut hat. Aber ich möchte klar machen, dass es keinen Sinn macht gleich zu verzweifeln oder ein schlechtes Gewissen zu bekommen. Dazu passt auch eine Textzeile aus dem Lied „Schuld“ von den „Ärzten“, es heißt: „Es ist nicht deine Schuld, dass die Welt ist, wie sie ist, es wär nur deine Schuld, wenn sie so bleibt“.
Diese Zeile hat natürlich auch den Nachteil, dass man als Freiwilliger denken könnte, dass man zu dem Teil gehört, der die Welt verändert. Das stimmt aber nicht. Wir Freiwilligen ändern gar nichts an der Welt, das können wir auch gar nicht. Es ist auch nicht das Ziel. Es geht viel mehr um Erfahrungsaustausch und Partnerschaften. Und wenn es um Hilfe geht, ist es eine Mikrohilfe. Etwas zwischenmenschliches und persönliches.
Die Frage ist also nicht besonders abwegig, wie man einen Sprung von zwei völlig unterschiedlichen Kulturen, mit ihren eigenen Problemen und Stärken, verkraftet, besonders wenn eins davon stark unterentwickelt (aber nicht in allen gesellschaftlichen Bereichen) ist.
Ich weiß, dass viele Freiwillige erst mal eine schwere Zeit zu Hause haben. Es scheint alles so geregelt abzulaufen, der Kühlschrank ist immer voll (und natürlich: Es gibt einen Kühlschrank!!!), der Straßenverkehr wirkt wie eine riesige Manschine, die Leute ignorieren sich auf der Straße, im Wohnblock und überhaupt. Es sind himmelweite Unterschiede, die einem jetzt erst recht bewußt werden.
Es leuchtet schon ein, dass man dann eine schwere Zeit durchmacht.
Aber mir ging es überhaupt nicht so. Mir sind die Kontraste schon aufgefallen, ich freue mich auch über immerverfügbaren Strom und auf abwechslungsreiches Essen, aber alles schien so vertraut. Die Familie war dieselbe, die Freunde sind immer noch die alten, das Haus sieht noch aus wie vorher, die Katze ist noch da, der Roland steht wo er immer stand, die Elbe fließt noch Richtung Nordsee und alles ist irgendwie da wo es immer war und hingehört.
Die ersten 24 Stunden hatte ich das Gefühl, gar nicht weg gewesen zu sein. Es war zwar eine totale Reizüberflutung, aber es war alles so Vertraut, so wie immer eigentlich.
Jetzt nach zwei Wochen habe ich natürlich nicht mehr das Gefühl, aber trotzdem hat diese Vertrautheit mit dem altbekannten dafür gesorgt, dass mein großer Kulturschock ausgeblieben ist.
Dennoch hänge ich oft in meinen Gedanken dem Jahr in Tansania nach…
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