Mittwoch, 12. November 2008

Der Überfall

Datum: 9.11.2008


Gestern waren wir auf einem Musikfestival. Es wurde viel afrikanischer HipHop gespielt, das meiste davon war leider nicht mein Fall. Die (guten) Interpreten am Anfang wurden dann von schlechteren Bands und Interpreten abgelöst. Zwischen durch gab’s mal das eine oder andere Highlight, aber leider immer viel zu kurz. Und TMK, eine der besten und bekanntesten Bands und Tanzgruppen Tansanias, hat uns allen nur eine, aber dafür richtig richtig gute, Tanzeinlage geboten. Etwas enttäuschend.
Die amerikanische Sängerin danach, der Headliner des Festivals, war auch nicht der Hit. Erst mal lief ne Diashow mit dem weinenden Obama, seinen Kinder, seine Frau, irgendwelche „Fans“ aus der ganzen Welt und dann noch ein paar Bilder mit glücklichen Menschen ohne erkennbaren Zusammenhang mit den USA oder Obama. Fand ich schon ziemlich übertrieben. Ok, er ist der erste Afroamerikanische Präsident der USA und ich bin gerade in Afrika, die das natürlich ganz toll finden. Aber man weiß ja trotzdem noch nicht, ob er ein besserer Präsident als Bush ist. Das wird sich erst zeigen.
Ihr Auftritt fing dann eigentlich mit einer sehr guten Show an, doch verlor schnell an Farbe, als sie anfing zu singen. Dafür war das afrikanische Publikum gut drauf und hat Stimmung gemacht. Es war also trotz ihr ein guter Abend.
Als wir aus dann auf den Rückweg machten, wurde es dann schon brenzlig. Kurz nach dem Ein- und Ausgang war der Busstand. Dort fuhr leider gerade keine Daladala (Bus) nach Posta, deshalb mussten wir ein Taxi für zwei von uns auftreiben.
Als ich (als letzter der Gruppe) am letzten Daladala vorbeikam, versuchte jemand in meine Hosentasche zu langen und zu klauen. Ich konnte das verhindern, indem ich meine Hände auf die Hosentaschen presste, gerade noch rechtzeitig. Ich war etwas mit diesem Vorfall beschäftigt und lief den anderen einfach nur hinterher, ohne wirklich darüber nachzudenken, dass das eben nicht nur ein Einzelfall gewesen sein könnte. Ein Fehler! Wir liefen gerade zwischen Autos hindurch, als wir von einer großen Menschenmasse umringt wurden. Jeder versuchte irgendwie in meine Taschen zu langen, doch die meisten blockierten sich gegenseitig und die anderen kamen nicht an meinen Händen, die wieder auf die Hosentaschen gepresst waren, vorbei. Leider hatte ich deshalb keine Hand mehr frei, um zu verhindern, dass jemand mir meine Brille vom Kopf klaut. Ich konnte die ganze Zeit kaum vorwärts und rückwärts gehen. Überall waren Menschen. Ich kam dann aber doch irgendwie vorwärts.
Und dann waren auf einmal die meisten Diebe weg. Ich konnte die anderen wieder sehen. Doch bevor ich mich mit ihnen unterhalten konnte, hatten zwei Fremde einen der Diebe geschnappt, festgehalten und ein paar Mal auf ihn eingeschlagen. Er blieb dann erst einmal eine Weile auf der Straße vor einem Taxi liegen. Ich konnte das kaum verarbeiten, als ich eine aus unserer Gruppe 4 Meter entfernt an mir vorbei rennen sah, verfolgt von zwei anderen. Ich lief hinterher und rief gleichzeitig nach den andern. Doch zum Glück wollten die beiden nur helfen und sie beruhigen. Denn vorher ist sie hingefallen, hat dabei einen Schuh verloren und es wurde bei ihr versucht, wie bei allen anderen auch, irgendetwas aus den Taschen zu reißen.
Es wurde ruhiger. Wir konnten uns unterhalten. Außer meiner Brille wurde noch ein Handy geklaut. Trotzdem sind wir, glaube ich, also noch verhältnismäßig gut durchgekommen.
Wir sind dann ins erste Daladala in irgendeine Richtung gestiegen. Zufällig fuhr es Richtung Posta. Oliva, Mirella, Aram und ich sind dann bald ausgestiegen. Die anderen sind dann in Richtung Posta weiter gefahren. Wir haben dann unser Geld zusammen geschmissen, was leider nicht mehr viel war, denn das Dala hat statt dreihundert Schillinge 1000Ths gekostet. Wir hatten dann noch 4300Tsh (ca. 2,70€) für die Taxifahrt. Zum glück war der Taxifahrer bereit uns für die Summe nach Hause zu fahren, nachdem wir ihn unsere Geschichte erzählt hatten. Die fahrt hätte sonst mindestens 6000 Tsh. gekostet.
Zuhause angekommen, konnten wir erst so Richtig darüber nachdenken. „Meine Brille ist weg.“ , „Scheiße.“ und „Ich hoffe meine alte Brille passt noch.“, schossen mir durch den Kopf. Zum glück habe ich ja noch meine alte Brille als Ersatz.
Ich dachte eigentlich, dass ich meine neue Brille eigentlich bei einer spektakulären Verfolgungsjagd mit einem Löwen (bei der der Löwe keines Wegs der gejagte ist) verliere, aber so ist auch OK. Hab ja trotzdem was zu erzählen, wobei der Löwe mir lieber gewesen wäre.
Aber auf die Diebe ich bin nicht wütend. Denn man muss sich vor Augen führen, warum die
das machen. Sie sind arbeitslos, höchst Wahrscheinlich nicht zur Schule gegangen und müssen irgendwie ihr täglich Brot verdienen, wohlmöglich noch für die Familie. Es ist ein hartes Leben. Und wie soll man bitte schön überleben, wenn man auf legale Weise kein Geldverdienen kann. Arbeitslosengeld oder Sozialhilfe gibt es hier ja nicht. In Deutschland reicht die ja kaum, um eine Familie über die Runden zu bringen, wie soll das dann in einem Entwicklungsland, mit 30%iger Arbeitslosigkeit, funktionieren.

Außer, dass ich nichts mehr sehe, habe ich keiner leih Schaden genommen, weder psychisch noch physisch (wäre beim Löwen vielleicht etwas anders geworden). ES GEHT MIR GUT. Ich bin, als ich im Bett war, auch gleich eingeschlafen und habe so gut und lange geschlafen, wie noch nie hier. Und ich bin eine Erfahrung reicher. Ein nächstes Mal kann dadurch hoffentlich verhindert werden.

2 Kommentare:

Anonym hat gesagt…

Man sollte schon immer Leute dabeihaben die einen aus solchen Situationen raushalten, bzw. rechtzeitig warnen. Mall sehen wie sich Europa in Zukunft “entwickelt”.

Anonym hat gesagt…

Durch dieses Erlebnis wirst Du nun in Zukunft wohl noch umsichtiger sein und möglichst wirklich nicht allein unterwegs sein. Bei Untenehmungen, bei denen viele Menschen zu erwarten sind, vielleicht auch nur das Nötigste dabeihaben-oder? Alles Gute!!!!!
O.W.